Ein Arbeitstag in Wien

 

Mein Arbeitstag in Wien beginnt mit dem Durchqueren der Haustür, Kastnergasse 9, um 6.10 Uhr. Nach einem kurzen Fußweg steige ich am Elterleinplatz in die „Bim“ (Straßenbahn), fahre zum Schottentor, steige dort in die U-Bahnlinie 2 ein und am Praterstern wieder aus. Nach einigen Minuten des Wartens und einer „Melange-to-go“ (Kaffee) mit Blick auf das berühmte Riesenrad mit den roten Kabinen kommt der Bus, der mich zur Haltestelle Josef-Gall-Gasse bringt. Von da aus sind es nur noch wenige Schritte zu meinem Arbeitsplatz, einer renommierten Tischlerei, in der ich mein Praktikum absolviere. Mit circa 50 Minuten Pendelzeit liege ich leicht über dem Wiener Durchschnitt von 45 Minuten.

Um 7:00 Uhr ist Arbeitsbeginn in der Tischlerei.  Zum Angebot des Betriebes gehört der Möbelbau, wobei zum größten Teil europäische Hölzer, wie zum Beispiel Buche, Eiche, Fichte und Nussbaum Verwendung finden. Außerdem bietet die Tischlerei die Montage und Wartung von Fenstern und Türen jeder Art an. Eine wichtige Aufgabe ist dabei die Instandhaltung von so genannten „Altwiener Fenstern“. Diese bestehen aus zwei etwa 20 cm hintereinander liegenden Holzfenstern, die einzeln nach innen zu öffnen sind. Diese Art der Kastenfenster ist sehr typisch für Wien und prägt das Stadtbild.

Auch heute gehörte dies zu meinen Aufgaben. Gemeinsam mit einem Gesellen haben wir in einem prunkvollen Altbau eine Balkondoppeltür nach Kastenbauart repariert, welche sich nur noch schwer bewegte und nicht mehr richtig schloss. Die beiden inneren Flügel hatten sich gegeneinander verzogen und mussten im Falz nachgeschliffen werden. Anschließend haben wir alle Flügel abgedichtet und die Tür funktionierte wieder einwandfrei. Dann folgte eine Mittagspause von 45 Minuten.

Nach der Mittagspause stellte ich - zurück in der Werkstatt - Rahmen mit einer Schlitz-Zapfenverbindung her, aus denen eine Kiste für Späne entstehen soll. Danach lackierte ich mit einer Druckluftspritzpistole Profilbretter. Im Anschluss daran räumte ich, wie jeden Tag, mein Werkzeug weg,  fegte durch und brachte die Werkstatt in Ordnung. Um 16:45 Uhr war dann nach 9 Stunden Arbeit Feierabend und mein interessanter und abwechslungsreicher Arbeitstag beendet.

Nach nun fast drei Wochen in Wien kann ich sagen, dass es eine besondere und sehr interessante Erfahrung für mich ist. Es ist spannend zu sehen, wie hier in Österreich gearbeitet wird und speziell in Wien trotz der Hektik einer Großstadt, dank Wiener Gelassenheit, wirklich beeindruckende Arbeit geleistet wird.

Bildunterschrift: Rémi Ferment, Berufsschüler des Paul Spiegel Berufskollegs Warendorf, ist zurzeit Praktikant in einer Tischlerei in Wien und schleift alte Fenster und Türen ab.


Berufskolleg Warendorf