Fachschule für Sozialwesen - Fachrichtung Sozialpädagogik
Konzeption des Theater-Projektes zur Bewerbung zum
Theaterförderpreis 2006/2007
Berufsbildung und Ausbildungsziel
Erzieherinnen und Erzieher sind staatlich anerkannte sozialpädagogische Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe. Sie arbeiten in Tageseinrichtungen für Kinder, in der Schulkindbetreuung, der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, in Einrichtungen für Hilfen zur Erziehung, der Jugendsozialarbeit und im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz. In diesen Arbeitsfeldern übernehmen sie Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsaufgaben.
Ziel der Ausbildung ist die Befähigung, Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsaufgaben zu übernehmen und in allen sozialpädagogischen Bereichen der Kinder und Jugendhilfe als Erzieherin und Erzieher und eigenverantwortlich tätig zu sein. Dabei kommt der Persönlichkeit der Erzieherinnen und Erzieher eine Schlüsselrolle zu. Erziehende müssen ihre Kommunikations-, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit weiter entwickeln und zu kritischer Reflexion ihrer Person, ihres Menschenbildes sowie zur Selbsterziehung fähig sein. Offenheit, Achtung, Empathie, Toleranz, Multiperspektivität und Integrität müssen als Grundhaltungen der Arbeit entwickelt und praktiziert werden.
Diese Ziele lassen sich u.a. mit Hilfe der Theaterpädagogik hervorragend vermitteln.
Bisherige Arbeit/ Ablaufplan
Im Rahmen des Deutschunterrichts wurde zu Beginn des Schuljahres der Roman „Das Muschelessen“ von Birgit Vanderbeke thematisiert. Da der Roman bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse stieß, folgten Überlegungen über die Art der Bearbeitung der Thematik. Da ich in der Klasse FS O1 neben dem Fach Deutsch/Kommunikation auch MKS (musisch-kreatives Gestalten) unterrichte, einigten wir uns darauf, im Fach Deutsch den Roman zu interpretieren und in MKS ein Theaterstück auf der Grundlage des Romans zu entwickeln.
Dabei sollten sich die Schülerinnen und Schüler für verschiedene Aufgabenbereiche einteilen. Im Einzelnen ergaben sich folgende Gruppen:
Autorengruppe: Entwicklung von Szenen auf der Grundlage des Romans. Der Verlauf der Handlung richtet sich im wesentlichen nach der Vorlage. Da der Roman ein offenes Ende hat (vgl. Inhalt des Romans), werden z.Z. noch verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Des Weiteren wurden zwei Personen hinzugefügt, die im Roman nicht vorkommen.
Kulisse: Zunächst ging es um die Frage, wo die Aufführung stattfinden soll.
Bau der Kulissen: da sich die Geschehnisse an einem Abend abspielen, ist der Bau eines Esszimmers erforderlich.
Schauspieler: Die Auswahl der Spieler erfolgte im Klassenverband – da es mehr Interessenten gab als Rollen zu vergeben waren, erfolgten zunächst einige Stunden Improvisationstheater. Dabei kristallisierten sich “wahre Talente“ heraus. Zur Zeit arbeiten die Spieler an den Personencharakterisierungen und an einem intensiven Rollentraining; Proben der ersten Szenen.
Schwarzlichttheater: Im Laufe der Bearbeitung entwickelten die Schülerinnen und Schüler die Idee, Erinnerungen an Geschehnisse aus der Vergangenheit mit Hilfe des Schwarzlichttheaters darzustellen (vgl. Probeaufnahmen CD - Tanzgruppe). Diese beziehen sich in erster Linie auf die Fantasien der Mutter (vgl. Inhalt des Romans).
Videosequenzen: Ausschnitte, die persönliche Erinnerungen einzelner Familienmitglieder darstellen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Familienoberhaupt.
Initiatorin und Projektleiterin: Angelika Flinkert
Die Arbeit an dem Theaterstück erfolgt vorrangig in den Unterrichtsstunden (8 Stunden pro Woche) und zusätzlich während der Praktikumszeit an einem Abend die Woche.
Aufführungsort ist das „Theater am Wall“ der Stadt Warendorf.
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Termine:
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19.03.07 10:00 Uhr
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20.03.07 20:00 Uhr
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Zum Inhalt des Romans
Das erzählte Geschehen erstreckt sich über einen Zeitraum von wenigen Stunden an einem einzigen Abend.
Da der Vater ansonsten immer pünktlich nach Hause kommt (um halb sechs) und üblicherweise um „Punkt sechs“ gegessen wird, ist die Verspätung (denn es ist bereits drei Minuten nach sechs) derart ungewöhnlich, dass die erwartungsvolle Stimmung „ins Ungute, ins geradezu Unheimliche“ umkippt. Die Gründe dafür erfährt man zunächst nicht, der Zuschauer ist daher auf Mutmaßungen angewiesen.
Während des Wartens richtet sich die Aufmerksamkeit der Ich-Erzählerin auf die Muscheln und sie bemerkt zum ersten Mal das ekelhafte „Schalenklappergeräusch“, das die Muscheln in ihrem Todeskampf verursachen. Die „Ergebenheit“, mit der die Muscheln sich in ihr Schicksal fügen, ekelt sie an. Mehr und mehr wird deutlich, dass der Vater ein Familiendespot ist, der seiner Familie seinen Willen aufgedrängt hat und ihr keinen Raum zum freien Atmen lässt; da die Mutter sich in den Augen der Tochter bislang immer willfährig untergeordnet hat, richtet sich die Abscheu der Erzählerin auch gegen sie. Doch auch bei der Mutter zeigen sich erste Merkmale der Auflehnung, denn sie scheint sich ebenfalls mit dem Gedanken anzufreunden, das Familienoberhaupt könnte nicht wiederkommen. Bisher hatte immer die Angst vorgeherrscht, von dem heimkehrenden Vater dabei überrascht zu werden, wie sie über ihn reden; man redet offen darüber, ihm könne etwas zugestoßen sein. Es wächst, wenngleich auch zögerlich, weil man immer noch Angst vor dem in der Familie bislang allgemein üblichen „Petzen“ hat, die Erkenntnis, gar nicht das zu sein, was sich der Vater unter einer „richtigen Familie“ vorstellt. Die Erinnerung an die Rituale des Petzens und der darauf folgenden Strafen veranlassen auch die Mutter, ihre Ängste zu gestehen – wovor, verrät sie noch nicht, und auch den anderen ist dieses Bekenntnis „äußerst unangenehm“, da sie noch immer mit der unmittelbar bevorstehenden Rückkehr des Vaters rechnen. Immer mehr Einzelheiten aus der Vergangenheit werden vorgetragen – und immer fragwürdiger wird die Rolle des Vaters, da sich eine ständig vergrößernde Diskrepanz auftut zwischen dem, was er zu sein vorgibt, und dem, wie er in Wirklichkeit ist. Der Bericht der Tochter ist scheinbar leidenschaftslos und neutral, aber immer mehr tritt die Verlogenheit und Widersprüchlichkeit des Vaters hervor, die sich aus dem Missverhältnis zwischen seinem Anspruch und dem realen Familienalltag ergibt. Allmählich offenbart sich der Leidensweg der Familienmitglieder, die bislang – sei es aus mangelndem Durchsetzungsvermögen wie bei der Mutter, sei es aus fehlender Lebenserfahrung wie bei den Kindern – gegen die Übermacht und die erdrückende Omnipräsenz des Vaters keinen Widerstand zu leisten vermochten. Dieser fehlende Widerstand ist auch darin begründet, dass vor allem die Mutter die Scheinwelt, die der Vater aufgebaut hat, die Idee der „richtigen Familie“ illusionär aufrechterhält.
Im weiteren Verlauf beginnen die Familienmitglieder, sich Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen soll und kann. Noch befürchten die Kinder, dass die Mutter zugunsten der illusionären Familienharmonie wieder umkippt, falls der Vater doch noch nach Hause kommt.
Da man den Gott der Familie gelästert hat rechnen alle mit einem Blitz vom Himmel, der die Tochter erschlagen müsse. Nachdem dies ausbleibt, kommt der etwas naive Bruder zu der Erkenntnis, der Vater sei auch nur ein Mensch. Die Familie fühlt sich „erlöst“ und die Kinder nehmen mit Erleichterung zur Kenntnis, dass die Mutter ihre versöhnliche Haltung endlich ablegt, obwohl sie unter dem Zusammenbruch ihrer Harmonievorstellungen und dem glauben an das Gute im Menschen leidet. Sie hat kurz vorher gestanden, die antike Figur der Medea – also die Frau, die ihre Kinder umbringt, um sich an den ihrem Mann zu rächen – immer schon heimlich „verehrt und bewundert“ zu haben; jetzt befürchtet sie wegen dieser Gedanken eine Bestrafung durch Gott.
Die Assoziationen mit einem göttlichen Strafgericht setzen sich fort, als gegen zehn das Telefon klingelt. Die Mutter steht auf und geht schwankend zum Wohnzimmer, wo das Telefon steht. Sie nimmt jedoch den Hörer nicht ab, sondern verweilt am Türrahmen, dreht sich schließlich entschlossen wieder den Kindern zu, nimmt den Muscheltopf und geht mit ihm hinaus in die Küche. Die Kinder hören ein letztes Klappern, ein Geräusch, das sogar das Klingeln des Telefons übertönt, das von den Muscheln stammt, die die Mutter in den Müll wirft. Mit der Aufforderung an den Sohn, den Müll hinunterzutragen, endet die Erzählung.