Informationen zum Förderkonzept am Berufskolleg Warendorf
im Bildungsgang Steuerfachangestellte

Mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 haben wir im Bildungsgang Steuerfachangestellte ein neues Förderkonzept eingeführt. Dies betrifft die Mittel- und Oberstufe. Ziel ist es, alle Auszubildenden entsprechend ihren Fähigkeiten systematischer als bisher zu fördern und zu fordern.

Das Konzept enthält folgende Bestandteile:

  1. Jede Schüler1)  erhält zu Beginn des Schuljahres eine detaillierte Beschreibung aller Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt seiner Ausbildung von ihm gefordert werden. Diese werden in Basiskompetenzen (gültig für alle Schüler) und erweiterte Kompetenzen (nur für leistungsstarke Schüler) unterteilt.
  2. Jeder Schüler schätzt mit Hilfe der Lernzielliste seine Stärken und Defizite mit Hilfe des Klassenlehrers und in Rücksprache mit den Ausbildungsbetrieben weitgehend selbst ein.
  3. Auf der Basis dieser Einschätzung setzt sich der Schüler selbst Ziele für die folgende Wochen und Monate (sog. „Individuelle Entwicklungspläne“ – IEP). Dabei werden Prioritäten gesetzt. Gemeinsam mit der Schule und ggf. dem Ausbildungsbetrieb wird überlegt, mit welchen Mitteln und Methoden diese Ziele am besten umgesetzt werden können und welche Arbeitsprodukte 2) erstellt werden sollen.
  4. Anschließend arbeitet jeder Schüler sehr selbständig an seiner Aufgabe3) . Das kann alleine geschehen oder zusammen mit anderen.
  5. Das Produkt der Aufgabe wird in einem Ordner hinterlegt.
  6. Ist das Entwicklungsziel/ die Aufgabe erfüllt, wird von den Schülern ein Ar-beitsprotokoll verfasst, das den Lernfortschritt dokumentiert.
  7. Anschließend nimmt sich der Schüler die nächste Aufgabe vor.
  8. Zwischenzeitlich finden Entwicklungsgespräche mit dem Schüler statt, die  i.d.R. mit dem Klassenlehrer geführt werden. In einzelnen Fällen kann es sinnvoll sein, den Ausbildungsbetrieb mit einzubeziehen.

Organisatorische Rahmenbedingungen:
Organisatorisch betreut wird die individuelle Förderung vor allem in der Schule. Zu diesem Zweck wird ab der Mittelstufe im Differenzierungsbereich das Fach „Selbst-organisiertes Lernen und Arbeiten“ eingeführt. Gleichzeitig fällt das Fach „Englisch“, das bislang an dieser Stelle unterrichtet wurde, weg.
Jeder Schüler legt sich einen Ordner an, der alle relevanten Unterlagen enthält (seine persönliche Einschätzung, seine Ziele, Arbeitsprotokolle und Arbeitsprodukte). 
Dieser Ordner soll auch dem Ausbildungsbetrieb vorgelegt werden und der gemeinsamen Reflexion von Fördermöglichkeiten dienen.

Die Leistung in diesem Fach wird bewertet. Ausschlaggebend ist hier jedoch, anders als in anderen Fächern, der individuelle Lernzuwachs. Die Leistung des Auszubildenden wird ausschließlich an seinen persönlichen Lernfortschritten gemessen und nicht mit denen anderer verglichen. Grundlage der Beurteilung sind insbesondere Arbeitsprodukte und –protokolle, die in Verbindung mit den Entwicklungszielen den Lernerfolg dokumentieren.

Welche Ziele verfolgen wir mit diesem Konzept?
Wir möchten die Auszubildenden vor allem systematischer fördern als bisher. Dazu gehört nicht nur, Schwächen festzustellen und gezielt zu beheben, sondern auch Stärken auszubauen. Damit möchten wir den Bedürfnissen jedes Einzelnen gerech-ter werden und ihn besser auf sein Berufsleben vorbereiten.
Potenziellen „Verkürzern“ (auf 2,5 Jahre) schaffen wir Rahmenbedingungen, sich auf die Prüfungsinhalte, die sie in der Schule verpassen, vorbereiten zu können.
Das Konzept ist darauf ausgerichtet, die Auszubildenden in ihrer Eigenverantwortung und Selbständigkeit zu fördern. Die Selbstreflexionsfähigkeit wird erweitert, weil jeder Schüler seinen Lernstand und –fortschritt dokumentiert und gezielte Rückmeldungen seitens der Schule und des Ausbildungsbetriebes erhält. Dies sind wesentliche Aspekte für den Ausbau von Lernkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung.

Zugleich möchten wir die Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Ausbildungsbetrieben intensivieren und sinnvoll gestalten. Dadurch, dass Schüler sich Ziele und einen Zeitrahmen selbst setzen, lernen sie motivierter, als wenn Inhalte und Arbeitstempo vorgegeben werden. Die Wahrscheinlichkeit von Erfolgserlebnissen steigt zwangsläufig, Selbstvertrauen und Freude am Lernen steigen. Versagensängste werden abgebaut. 


  1)  Aus Gründen des Leseflusses wird lediglich die männliche Form verwendet, gemeint sind jedoch stets Schülerinnen und Schüler.

2)  „Arbeitsprodukte“ können z.B. sein:
• gelöste Übungsaufgaben
• Übersichten zu einem Thema
• datev-Auswertungen erstellter Steuererklärungen
• ausgefüllte Formulare
• erstellte Übungsaufgaben mit Lösungen für andere
• Excel-Tabellen zu einem Thema
• selbst entwickelte Lösungsalgorithmen, Muster oder Formulare
• Referate
• „Übersetzung“ von Passagen aus Gesetzestexten

3)  Die Arbeit muss nicht zwangsläufig alleine durchgeführt werden. Schüler mit ähnlichen Zielen kön-nen (bzw. sollen sogar) sich zu zweit oder mit mehreren zusammenschließen und gemeinsam eine Aufgabe bewältigen.


Berufskolleg Warendorf