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"Sorgt dafür, dass so etwas nie wieder passiert"
Zeitzeugin zu Gast im Paul-Spiegel-Berufskolleg
Von li nach re: Matthias M. Ester, Zeitzeugin Liesel Michel Binzer, Wilma Sturm (Arbeitskreis jüdisches Leben in Warendorf), stellvertretender Schulleiter Udo Lakemper, Lehrer Konrad Schoppmann
Warendorf. "Ein bisschen nervös war ich vorher doch", gestand Liesel Michel Binzer nach ihrem Besuch am Paul-Spiegel-Berufskolleg, "aber die Schülerinnen und Schüler waren sehr angenehme und interessierte Zuhörer". Diese zeigten sich nach dem Gespräch mit der Zeitzeugin, die einen Teil ihrer Kindheit im Ghetto von Theresienstadt verbringen musste, tief beeindruckt.
"Das war heute eine der besten Geschichtsstunden unserer Schulzeit", war der Kommentar einer künftigen Abiturientin, " das werden wir so schnell nicht vergessen." Da erzählt die ehemalige Freckenhorsterin Liesel Michel Binzer, wie sie im Kinderheim von Theresienstadt für einen Propagandafilm der Nazis mit großem Vergnügen einen Eisbecher verspeisen sollte, um dem damaligen Filmpublikum vorzugaukeln, wie gut es die jüdischen Kinder in Theresienstadt doch hätten. Die Enttäuschung des erwartungsfrohen Kindes, als es bemerkt, dass es sich bei dem Eisbecher nur um eine Filmattrappe handelt, ist der heute 75Jährigen immer noch anzumerken. Theresienstadt war eben kein Kinderparadies, sondern im Grunde nichts anderes als ein Durchgangslager für Auschwitz.
Diese und weitere Geschichten sind es, die die Schülerinnen und Schüler still werden lassen. So auch die Information, dass die Mutter der damals 7jährigen Liesel ihr und ihrem kriegsversehrten Vater mitunter ein paar Kartoffeln und Kartoffelschalen habe organisieren können. "Die für die Nazis 'kriegswichtige' Arbeit meiner Mutter hat meinem beinamputierten Vater und mir das Leben gerettet", stellt die überlebende Tochter sachlich und dankbar zugleich fest.
Die Betroffenheit bei den Zuhörerinnen und Zuhören ist spürbar, ebenso aber auch eine verhaltene Erleichterung, ein vorsichtiger Optimismus, als der Münsteraner Historiker Matthias M. Ester am Ende seiner Powerpointpräsentation das Abschlussbild zeigt: Frau Michel Binzer als strahlende Mutter und Großmutter im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder, die ungefähr so alt sind wie die Schülerinnen und Schüler des Paul-Spiegel-Berufskollegs. Denen gibt Frau Binzer mit, stets wachsam zu sein, wenn Menschen erniedrigt und verfolgt würden, nur weil sie anders seien. "Sorgt dafür, dass so etwas wie die Shoa nie wieder passiert."
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